Wie man im netzwerk aktiv sein kann

Im zweiten Teil seines Aufsatzes über die Möglichkeiten eines Netzwerkes beschreibt Bernhard Straßer, wie jedes Mitglied in einem Autorennetzwerk aktiv seinen großen oder kleinen Beitrag leisten kann.

Die literaturwerkstatt

Grundaufgabe eines Autorennetzwerkes sollte natürlich das Arbeiten an Texten sein. Das Bearbeiten eines oder mehrerer Texte sollte fester Bestandteil jedes Treffens sein. 

Da erfahrungsgemäß eine Hürde darin besteht, sich mit seinem teils intimen Werk der Kritik zu stellen, sollten auch hier selbstverständliche Regeln eingehalten werden. Was gut war, sollte klar betont werden, gleichzeitig sollten aber die Schwächen konstruktiv begründet werden, ohne Text und Person in der Kritik zu vermischen.

Nichts bringt einen ambitionierten Autoren weiter als das kritische Auseinandersetzen mit dem eigenen, aber auch mit fremden Texten. 

informationsaustausch unter autoren

Ein Autor ist dem Grunde nach ein eher misstrauischer Mensch. Man arbeitet die meiste Zeit alleine, im steten Ringen mit sich und seinem Buch. Spätestens, wenn man das Werk einem Publikum zugänglich machen will, ist man von anderen abhängig und ab hier beginnt das Netzwerken: Wer hilft, den Text zu überarbeiten? An welche Verlage kann ich schicken? Wer hat Erfahrung mit Selbstvermarktung? Wo kann ich eine Lesung halten?

Ein Neuling wird von der Gruppe sicherlich nicht am ersten Abend als sehnsuchtsvoll erwarteter angehender Literatur Shooting Star die Antworten auf all diese Fragen erhalten. Ein Netzwerk ist auch ein Geben und Nehmen. Wer sich einbringt und die Kontakte pflegt, hat aber beste Voraussetzungen, durch das Netzwerk das benötigte. Know How und den gewünschten Erfahrungsaustausch bekommen. 

literaturveranstaltungen

Unser Netzwerk wird auch zukünftig Veranstaltungen organisieren: Lesungen, Radiosendungen, vielleicht einen Literaturwettbewerb. 

Das Netzwerk braucht dann aktive und passive Helfer. Die aktiven sind jene, die sich auf die Bühne stellen. Gebraucht werden aber auch die, die sich um die Organisation kümmern. Jemand muss die Räumlichkeiten organisieren, jemand muss sich um die Werbung kümmern und jemand muss die Veranstaltung mit Inhalt füllen.

Aber auch die passiven Mitglieder sind in diesem Fall angehalten, aktiv zu sein. Und zwar als Zuhörer. Es ist klar, dass wir eine heterogene Gruppe sind und jeder eigene Verpflichtungen hat. Aber auch hier gilt: Bei Gruppenveranstaltungen und Lesungen von Kolleg /innen, die man selber gern im Publikum der eigenen sähe, sollte man nicht vage überlegen, ob man vielleicht hingeht, sondern einen triftigen Grund haben, wenn man nicht hingeht. 

Natürlich bringt es auch nichts, wenn wir uns gegenseitig alle unsere Bücher abkaufen. Das ginge bei einem großen Netzwerk und Vielschreibern sehr ins Geld. Aber wenn uns die Arbeit eines Kollegen gefällt und wir ein Geschenk suchen, warum eigentlich immer in Kehlmann, Coelho und King investieren?

respekt und wertschätzung unter autoren

Unser Netzwerk besteht aus den unterschiedlichsten Autoren und Menschen. 

Schriftsteller neigen dazu, das Werk von Kollegen als Konkurrenz einzustufen und beurteilen es subjektiv kritisch. Jemandem der literarisch schön schreibt, missfallen Spannungstexte; ein junger Anfänger misstraut dem langatmigen Stil des Erfahreneren; der Krimiautor kann nichts mit Fantasy anfangen und umgekehrt. Dennoch hat jeder in seinem Metier seine Stärken, die man, da sollte sich jeder an die eigene Nase fassen, erkennen und anerkennen lernen muss, um konstruktive Beiträge im Netzwerk leisten zu können. Und selbst jemand, der schwach schreibt, ist vielleicht stark in PR und Marketing oder ein aufmerksamer Leser. 

Natürlich wird eine heterogene Gruppe wie unsere selten auf einen gemeinsamen Nenner kommen, das muss sie auch nicht. Vielfalt lässt Weiterentwicklung zu. Aber man sollte sich dem anderen nicht verschließen, sondern offen für alle Beiträge und Teilnehmer im Netzwerk sein. 

 

Ich wünsche mir, dass wir zukünftig als Netzwerk auftreten und weiter nach innen und außen wachsen. Das funktioniert aber nur, wenn jeder seinen großen oder kleinen Beitrag leistet.


Zum ersten Teil "Autoren im Sozialen Netzwerk" geht es hier

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Nora Berger (Sonntag, 14 Dezember 2014 19:47)

    Als Chiemgau Autoren bieten wir eine große Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten und wir sollten das unbedingt nutzen und uns gegenseitig unterstützen!

  • #2

    strasserbp (Donnerstag, 25 Dezember 2014 12:59)

    Ich denke auch, dass unsere Gruppe großes Potential hat. Bin gespannt, wie viel wir auch im kommenden Jahr davon abrufen können!
    Schöne Feiertage!